Werkstadt

Das VW-Werk Wolfsburg, Deutschlands größter Industriekomplex, liegt nach der Insolvenz des Konzerns plötzlich brach. Das Gelände droht zu verfallen und wird nach und nach besetzt, bewohnt, gestaltet – von Künstlern, obdachlosen Menschen, Ravern, ehemaligen Angestellten, Familien und Freaks. Der so entstehende Ort ist für manche existenzielle Notwendigkeit, für andere Experimentierfeld oder ein letzter idealistischer Versuch.

Der Autor Felix Geiser, der mit ›Werkstadt‹ seinen Debütroman vorlegt, ergründet dieses Soziotop multiperspektivisch. Die Protagonisten Lena, Henry, Dina und Walter, deren Lebensumstände und Vorstellungen sich stark voneinander unterscheiden, verhandeln elementare Fragen des sozialen Miteinanders in einer neoliberalen Welt der Vereinzelung. Die ›Werkstadt‹ wird zum Text und Ort einer Utopie, die sich keine nahe oder ferne Zukunft imaginiert, sondern das Undenkbare hier und heute zu vergegenwärtigen versucht und damit auch Fragen nach dem utopischen Schreiben selbst aufwirft.

»Auf der ehemaligen Kohlegrube wuchsen nun junge Robi­nien und Eschen, in ihren Kronen herrschte ein reges Vogel­treiben, das von vielstimmigem Zwitschern begleitet wurde. Walter staunte und musste sich eingestehen, dass diese Ver­änderungen dem früher so geschäftigen Werk eine geruhsame Aura verliehen. Die Gebäude waren weitgehend dieselben ge­blieben und doch handelte es sich um einen neuen Ort. Ob­wohl viele der Hallen in Benutzung waren, gab es einige, die dem Verfall preisgegeben wurden. Im ehemaligen Hochregel­lager etwa breitete sich ein Sommerflieder aus, einer von Hen­nis Lieblingsbäumen.«

Felix Geiser, geboren 1991 in München, lebte nach einem Soziologiestudium für einige Zeit in Barcelona und Mexiko-City, bevor es ihn für den Master Literarisches Schreiben und Lektorieren nach Hildesheim verschlug. Seine Texte erschienen in verschiedenen Anthologien und Zeitschriften. Er ist Mitherausgeber der ultraromantischen Anthologie ›Reizüberflutung‹ (2019), war als Redaktionsmitglied für das Podcast-Format ›Litradio‹ tätig und realisierte, zusammen mit anderen Kreativen, das Blade Festival. 2020 war er Schwazer Stadtschreiber, 2021 Stipendiat der VG Wort und 2023 verbrachte er einen Aufenthalt in der Kunsteremitage am Rietzer Berg. Felix Geiser lebt und arbeitet als Schriftsteller, freier Lektor sowie als Mitglied eines Kneipenkollektivs in Berlin.

 

04.02.2027

Donnerstag: 19h
Eintritt: frei

E-mail

kontakt (at) museumdeskapitalismus.de

Adresse

Köpenicker Str. 172
10997 Berlin

Bus & Bahn

U1 & U3
-> Schlesisches Tor
Bus 165 & Bus 265
-> Eisenbahnstr.