Museum des Kapitalismus

Ort für politische Bildung in Berlin

wichtiger hinweis:
das MUSEUM BLEIBT AM SAMSTAG DEN 10.1. GESCHLOSSEN!

Aktuelle Termine

08.Januar – 12.Dezember 2026

Daueraustellung:
Museum des Kapitalismus

ÖFFNUNGSZEITEN:

Donnerstags 17-19h

Samstags 14-18h

30.Januar 2026, 19h

Vortrag und Diskussion:

 

Warum alle vom Faschismus reden, aber vom Kapitalismus schweigen

Zur Inflationierung des Faschismusbegriffs und zur tatsächlichen faschistischen Gefahr, anlässlich des Jahrestags des 30. Januar 1933

Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler zum Kanzler gewählt, anschließend setzte er in rapidem Tempo die faschistische Diktatur durch. Heute – da ist sich die Linke einig – steht ein neuer 30. Januar unmittelbar bevor oder ist schon da. „Nie wieder ist jetzt!“ lautet die Parole. 

Diese Inflationierung des Faschismusbegriffs zielt auf die möglichst kraftvolle Mobilisierung gegen „gegen rechts“. Doch bleibt diese Mobilisierung seit Jahren hinter den Erwartungen zurück, ganz zu schweigen davon, dass sie den weiteren Aufstieg der radikalen Rechten verhindert hätte. Das liegt nicht zuletzt an der Inflationierung selbst, die dichotom Demokratie und Faschismus einander entgegensetzt, die autoritären Tendenzen der Demokratie ausblendet und über die Ursachen der radikalen Rechten im Kapitalismus nicht redet. Eine effektive Strategie gegen die radikale Rechte lässt sich so nicht begründen.

Wir stehen heute nicht vor dem Faschismus, sondern befinden uns in einer Phase der weltweiten Etablierung autoritärer kapitalistischer Herrschaft. Deren Grundrechtsverletzungen sind massiv, die Entrechtung von Migrant*innen und die Kriminalisierung von antimilitaristischen Protesten  und Klimaaktivismus sind hier nur einige Beispiele.  Doch reichen sie bei weitem nicht an den offenen und totalitären Terror des Faschismus heran. Wer historisch uninformiert schon heute überall den Faschismus sieht, entwertet den Faschismusbegriff und verliert die tatsächliche faschistische Gefahr aus den AugenDenn der Autoritarismus bereitet den Boden dafür, dass es nach einer großen Krise wie 1929 zu großflächigen Faschisierungsprozessen kommt. Solange die Linke ständig vom Faschismus redet, aber vom kapitalistischen System und seinen Krisen schweigt, wird sie zu effektivem Antifaschismus nicht in der Lage sein.

Anlässlich des Jahrestags des 30. Januar 1933 diskutiert die Veranstaltung historische Erfahrungen und faschismustheoretische Überlegungen, mit dem Ziel, zu einer angemessenen Einschätzung zu Gegenwart und Zukunft des Faschismus beizutragen.

Es diskutieren Peter Nowak und Emanuel Kapfinger.

Moderation: Anne Seeck

Kurzinfo zu den Referenten:

Peter Nowak ist Journalist und hat sich in einem Beitrag für die Zeitschrift telegraph kritisch mit der Inflationierung des Faschismusbegriffs auseinandergesetzt. Der Text ist hier dokumentiert: https://peter-nowak-journalist.de/2024/12/21/alles-faschismus-oder-was/

Emanuel Kapfinger ist Philosoph und politischer Autor. Er arbeitet schwerpunktmäßig zur Faschismustheorie der Kritischen Theorie und veröffentlichte dazu unter anderem das Buch „Die Faschisierung des Subjekts“. Website: www.emanuel-kapfinger.net.

31.Januar 2026, 19h

Buchvorstellung:

 

Alles mus man selber machen

»Alles muss man selber machen« ist ein Buch über Menschen, die sagen: So kann es nicht weitergehen – wir nehmen unser Schicksal selbst in die Hand. Ob in den Straßen von Paris 1871, den Fabriken Petrograds 1917, den Städten und Dörfern Nordsyriens oder im Urwald von Chiapas – überall entstanden im Zuge von sozialen Konflikten und Aufständen Räte: Selbstorganisierte Zusammenschlüsse in allen gesellschaftlichen Bereichen, die nicht nur protestieren, sondern beginnen, das gesamte Leben neu zu gestalten.

Christopher Wimmer erzählt in lebendigen Szenen, wie solche Bewegungen entstehen, wie sie funktionieren – und woran sie oft auch scheitern. Er zeigt an unterschiedlichen historischen Beispielen, wie Menschen Schulen und Krankenhäuser selbst verwalten, wie sie Entscheidungen im Kollektiv treffen, Güter verteilen, Streit schlichten, sich verteidigen – ohne zentrale Regierung oder Staat. Dieses Buch bringt Geschichte zum Sprechen: mit Geschichten von Mut, Hoffnung, aber auch Niederlagen. Es fragt, was wir von den Rätebewegungen vergangener und heutiger Tage lernen können – für eine selbstverwaltete und demokratische Gesellschaft, die nicht nur auf dem Papier steht, sondern im Alltag gelebt wird.

21.Februar 2026, 19h

Buchvorstellung:

 

Cornelius Castoriadis, Die bürokratische Gesellschaft

Cornelius Castoriadis (1922-1997), in Athen aufgewachsener, seit 1945 in Paris lebender politischer Theoretiker, Aktivist, Philosoph, Psychoanalytiker, Ökonom, war Mitbegründer der Zeitschrift und gleichnamigen politischen Gruppe Socialisme ou Barbarie (1948-1967). Mit dieser Gruppe entwickelte er eine radikale Kritik der westlichen wie östlichen Gesellschaftssysteme sowie der traditionellen Arbeiterbewegung. Er formulierte Grundzüge einer auf der Idee der Selbstverwaltung und der Rätedemokratie beruhenden gesellschaftlichen Alternative. Diese Grundzüge arbeitete Castoriadis später beharrlich im Sinne einer Kritik am herrschenden kapitalistischen Projekt weiter aus und entwickelte eine gegen das kapitalistische Projekt opponierenden Alternativentwurf kollektiver wie auch individueller Autonomie. Dabei spielte die intensive Auseinandersetzung mit dem – in Castoriadis‘ Lesart – bürokratischen Kapitalismus der UdSSR immer eine zentrale Rolle.

Das von Michael Halfbrodt und Harald Wolf vor nunmehr 20 Jahren auf den Weg gebrachte Editionsprojekt Cornelius Castoriadis: Ausgewählte Schriften geht mit dem voluminösen zehnten Band Die bürokratische Gesellschaft, der bei dieser Veranstaltung vorgestellt wird, in eine neue Runde. Das Buch bietet dreierlei: eine theoretisch angeleitete, materialreiche Chronik des gesellschaftlichen Regimes Russlands von 1917 bis 1990 in revolutionärer Absicht, Antworten auf die Fragen: »Was war die UdSSR?« und »Was ist der bürokratische Kapitalismus?« und außerdem viel Erhellendes über Entstehung und Entwicklung des Castoriadis’schen Theorieentwurfs selbst.

Harald Wolf, Göttinger Soziologe, wird den Band vorstellen und auch die Aktualität des – zunächst womöglich anachronistisch klingenden – Konzeptes des bürokratischen Kapitalismus deutlich zu machen versuchen. Dabei wird genügend Zeit sein, nachzufragen, nachzuhaken und kritisch zu intervenieren.

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