Stellungnahme zu AHOJ-Protesten


Stellungnahme zu AHOJ-Protesten

Ein Teil unserer Ausstellung befasst sich mit Gentrifizierung und der Stadt im Kapitalismus. Wie dieser Prozess aussieht, erleben wir gerade ein paar Häuser weiter in unserer Straße. Gestern, am Donnerstag, den 20. August hatte das Bauprojekt AHOJ zum "Nachbarschaftstreffen" eingeladen. Bei Grillwürstchen und billigem Sekt sollte um Verständnis für den kommenden Baulärm geworben, das Projekt vorgestellt werden. 

Bereits im Vorfeld gab es einen Aufruf aus der Nachbarschaft, die Sicht des Kiezes zum Ausdruck zu bringen. Dieser Aufruf erreichte auch uns. Die Befürchtung ist groß, dass sich durch das AHOJ-Bauprojekt und ähnliche, sich bereits im Bau befindende, Gentrifizierungsprojekte die Strukturen, die die Einmaligkeit des Kiezes ausmachen, zerstört und die Mieten weiterhin enorm steigen werden. Erfahrungsgemäß führt dieser Prozess zu Verdrängung. 

Viele Menschen aus der Nachbarschaft sind diesem Aufruf gefolgt und wollten ihren Protest anschließend auch außerhalb des "Nachbarschaftstreffen" kundtun und ihn in die Straßen von Rixdorf tragen, was auch teilweise gelang. Dennoch, die Straßen in der Umgebung waren an diesem Tag voller Polizei. Polizeibeamte versuchten mit willkürlichen Platzverweisen jeden Protest zu unterbinden. Eine Gruppe von Menschen wurde umstellt und zwecks Personalienfeststellung für etwa 45 Min. festgehalten.

Auch unser Museum war von diesen wahllosen Polizeimaßnahmen betroffen. Schon bevor wir an diesem Tag öffnen konnten, waren Polizisten vor unserer Tür. Beim Aufschließen wurde die Person, die an diesem Tag freundlicher Weise ehrenamtlich eine Schicht übernommen hatte, von der Polizei erwartet und über den Aufruf zum Protest sowie über unser Museum ausgefragt. Alle Flyer wurden von der Polizei beschlagnahmt, die Personalien der Person aufgenommen.

Wir befürworten, dass Nachbar_innen sich selbst organisieren. Wir, als partizipatives Museum, finden eine aktive Nachbarschaft gut, möchten diese fördern und ihr einen Raum bieten. Bei uns im Museum liegen Flyer und hängen Plakate für alle möglichen Projekte aus der Nachbarschaft und aus ganz Berlin aus. Auch der Nachbarschaftsaufruf zum Protest gegen das Bauprojekt von AHOJ, genau so, wie er überall in der gesamten Nachbarschaft zu sehen und im Internet zu lesen war. Auch hatten wir im Vorfeld von AHOJs Bauprojekt in unseren sozialen Netzwerken berichtet und die nachbarschaftliche Initiative unterstützt.

Wir finden es erstaunlich, mit welchen massiven Polizeiaufkommen ein "nachbarschaftliches Grillfest" bewacht und die komplette Umgebung in Ausnahmezustand versetzt wird. Ganze Straßenzüge wurden abgesperrt, Menschen daran gehindert, in ihre Wohnungen zu gehen.

Wir sind gespannt auf die weitere Entwicklung des ausgesprochen lifestyleorientierten Gentrifizierungsprojekts von AHOJ, das mit gekonnten Marketingmaßnahmen sein Projekt initiiert und mittels seiner PR-Strategie an seinem sauberen Image eines begehrten, in der Nachbarschaft willkommenen Akteurs arbeitet. Wir finden es allerdings befremdlich, dass das alles mit so viel Polizei durchgesetzt werden soll.

Wenn kleinster nachbarschaftlicher Protest sofort kriminalisiert wird und Menschen eingeschüchtert werden, zeigt uns diese Reaktion, das hier ein neuaufkommender Protest gegen Gentrifizierung im Keim erstickt werden soll.

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