MDK Academy #13 – Argumente für eine monetäre Werttheorie


Argumente für eine monetäre Werttheorie
Ein Input von Kristofer Pitz

Angesichts der Komplexität seines Gegenstands ist es wenig verwunderlich, dass sich eine ganze Reihe verschiedener Interpretationen von Karl Marx‘ Kapitalismustheorie im »Kapital« gebildet hat. Eine Reihe an Theoretiker_innen macht sich innerhalb des ökonomiekritischen Diskurses dafür stark, die zentrale Rolle des Geldes in der marxschen Werttheorie zu berücksichtigen. Die sogenannte „monetäre Werttheorie“ beschränkt sich hierbei nicht auf eine philologische Interpretation der inhaltlichen Intention des marxschen Werkes, sondern beansprucht selbst einen Beitrag zum bestmöglichen Verständnis der kapitalistischen Gesellschaftsform zu leisten.

Eine der zentralen theoretischen Leistungen der marxschen »Kritik der politischen Ökonomie« ist der „Bruch mit dem theoretischen Feld der politischen Ökonomie“ (Michael Heinrich) und dessen physiokratischer Arbeitswerttheorie. David Ricardo und Adam Smith waren noch davon ausgegangen, dass der Warenwert sich per se durch die Verausgabung von menschlicher Arbeit herstelle und es sich hierbei um ein individuelles Verhältnis zwischen Produzent_in und Produkt handele. Entgegen dieser Grundannahme konzipierte Marx im »Kapital« den Wert als historisch-spezifisches, gesellschaftliches Verhältnis. Zwar begründet auch Marx den Wert mit menschlicher Arbeit, allerdings nicht mit individuell verausgabter, konkreter Arbeit. Erst durch den Tausch werden Arbeitsprodukte einander als Anteile an der gesellschaftlich notwendigen Gesamtarbeit gleichgesetzt.

Marx weist in Band 1 des »Kapital« nach, dass der Wert aller Waren notwendig in einer einzigen, gemeinsamen Ware darstellbar sein muss, damit überhaupt Wert als soziales Verhältnis existieren kann. Aus der allgemeinen Äquivalentform entwickelt er als historisch-spezifische Form die Geldform. Zwar wird der Wert nicht durch das Geld, sondern durch die soziale Form des Austauschs privater Arbeitsprodukte auf dem Markt konstituiert – ohne die Austauschbarkeit gegen ein gemeinsames Wertzeichen, hat aber keine einzige Ware Wert. Geld (definiert als Wertzeichen, bzw. allgemeines Äquivalent) ist also die notwendige Erscheinungsform des Wertes. Geld ist allerdings kein unselbstständiger Ausdruck einer unter seiner Oberfläche verborgenen Substanz. Ohne Geld würde die gesellschaftliche Gleichsetzung der verschiedenen Privatarbeiten im universellen Warentausch nicht stattfinden. Der Wert erscheint also notwendig im Geld – einem selbstständigen Ausdruck, der das ihm zu Grunde liegende soziale Verhältnis nicht mehr anzeigt. Somit ist auch Geld Gegenstand sozialer Verdinglichung und fetischistischen Bewusstseins. Das soziale Verhältnis der Warenproduktion erscheint als Geld und kann nur vermittelt durch Geld existieren.

Die grundlegenden inhaltlichen Argumente für die Annahme eines solchen Zusammenhanges zwischen der Gleichsetzung verschiedener Privatarbeiten, Wert und Geld werden im Rahmen des Inputs vorgestellt. Dabei sollen auch konkurrierende Konzeptionen zur monetären Werttheorie sichtbar werden, wenngleich auch kritisch auf deren argumentative Leerstellen eingegangen werden wird.

Los geht es am Mittwoch, den 05. Dezember 2018 um 19h. Die Veranstaltung ist kostenfrei, der Raum berriere-arm. Alle aktuellen Informationenen zur Veranstaltung auch auf Facebook.

Zum Referenten:
Kristofer Pitz studiert Gesellschaftstheorie an der Friedrich Schiller Universität Jena und gehört zum Umfeld des Museum des Kapitalismus. Schwerpunkte: Kritik der politischen Ökonomie, Digitaler Kapitalismus, Wissenschaftstheorie, Kulturindustrie, Patriarchat und Kapitalismus, Staatstheorie, politische Rechte